✦ Christian V Rum · Journal ✦
Pfingsten in Flensburg – wenn der Wind nach Rum riecht.
Die größte Versammlung traditioneller Segelschiffe der westlichen Ostsee – mit einem Pokal, der seit Jahrzehnten aus einer Tonne Flensburger Rum besteht.
Einmal im Jahr, am Pfingstwochenende, füllt sich die Flensburger Förde mit den rostroten Segeln von Gaffelschonern, Ketschen, Smacks und Großseglern. Rund 100 historische Schiffe überqueren die Startlinie – und der Pokal, um den sie segeln, ist kein silberner Becher, sondern eine hölzerne Tonne Flensburger Rum. Es ist die direkteste lebendige Verbindung zwischen der maritimen Vergangenheit der Stadt und ihrer Gegenwart.
Hintergrund: eine Regatta aus dem Rumhandel geboren
Die Rum-Regatta wird seit 1980 gesegelt, gegründet vom Verein Museumshafen Flensburg, um die traditionellen Arbeitssegler am Leben zu halten. Die Wahl des Pokals war alles andere als Zufall. Flensburg war über zwei Jahrhunderte lang die Rum-Hauptstadt Deutschlands – Rohrum aus Dänisch-Westindien kam in eichenen Fässern an genau diese Förde, an Bord von Schiffen wie denen, die heute noch segeln. Die Regatta ist ein stilles, arbeitendes Denkmal für diese Geschichte – keine Inszenierung, sondern dieselben Boote, die dieselbe Art von Seemannschaft betreiben.
Für den tiefen Hintergrund siehe unsere Beiträge zur Geschichte des Flensburger Rums und zur deutsch-dänischen Grenzregion, die die Stadt geprägt hat.
Wann sie stattfindet
Die Rum-Regatta findet stets am Pfingstwochenende statt – Freitag bis Sonntag, mit dem Hauptrennen am Samstag. Pfingsten ist ein bewegliches Fest, das Datum wechselt also jedes Jahr:
- 2026: 22. – 24. Mai
- 2027: 14. – 16. Mai
- 2028: 2. – 4. Juni
Alle Schiffe versammeln sich am Museumshafen am Kopf der Förde. Genaue Startzeit und Kurs werden einige Wochen vor dem Termin auf rumregatta.de veröffentlicht.
Highlights
- Freitag – Anreise & Empfang. Die Schiffe treffen über den Tag ein, der Hafen füllt sich mit Masten, abends gibt es Konzerte und Shanty-Chöre entlang der Schiffbrücke.
- Samstag – das Rennen. Rund 100 Traditionssegler starten in der inneren Förde und segeln in Richtung der dänischen Küste und zurück. Beste Aussichtspunkte: das Ostufer bei Wassersleben, die Halbinsel Holnis oder von einem Fahrgastschiff aus.
- Samstagabend – Siegerehrung. Die siegreiche Crew bekommt eine ganze Tonne Flensburger Rum überreicht. Tradition verlangt, dass sie an Ort und Stelle angestochen wird.
- Sonntag – offene Schiffe & Hafenfest. Viele teilnehmende Boote öffnen ihre Decks für Besucher. Rum-Verkostungen, Shanties, ein maritimer Flohmarkt und der Museumshafen in vollem Betrieb.
- Dampf Rundum. In ungeraden Jahren überschneidet sich die Regatta mit dem Dampfschifftreffen „Dampf Rundum" – eine zusätzliche Lage historischer Schlepper und Raddampfer.
Der Bezug zum Rum – und zu Christian V
Die Boote der Rum-Regatta sind technisch und optisch dieselbe Art von Schiffen, die im 18. und 19. Jahrhundert den Rohrum aus St. Croix und St. Thomas nach Flensburg brachten. Ihnen beim Kreuzen über die Förde zuzusehen heißt im sehr wörtlichen Sinn zuzusehen, wie der Flensburger Rum-Verschnitt – und später Premium-Rums wie Christian V – tatsächlich hierhergekommen ist. Die Lagerkeller im Hafen, die Böttchereien, die Abfüllräume in den Kontorhöfen: sie alle existieren wegen Schiffen wie diesen.
Wo übernachten während der Rum-Regatta
Das Pfingstwochenende ist das vollste Wochenende des Flensburger Jahres, die Hotels in der Altstadt sind Monate im Voraus ausgebucht. Eine ruhige, gut gelegene Alternative ist das historische Gästehaus Villa Boreal – wenige Gehminuten vom Hafen, vom Museumshafen und von den Norderstraße-Rumhöfen entfernt. Es ist die Art von Ort, an dem man nach einem langen Tag am Kai zurückkommen, sich ein Glas Christian V einschenken und die Masten vom Fenster aus betrachten kann. Für lokale Hintergründe jenseits der Regatta ist deren Journal über Flensburg, die Förderegion und schleswigsche Spezialitäten eine schöne Ergänzung.
Praktische Tipps
- Unterkunft 3 – 6 Monate im Voraus buchen – Pfingsten in Flensburg ist voll.
- Eine winddichte Schicht mitnehmen; die innere Förde kann auch Ende Mai kühl sein.
- Beste kostenlose Aussichtspunkte: der Hafenkai zwischen Schiffbrücke und Hafenspitze, der Steg der Museumswerft und der Strand von Wassersleben.
- Für das Rennen selbst lohnt sich ein Platz auf einem der Fahrgastschiffe, die der Flotte folgen.
- Kombiniere die Regatta mit einem Spaziergang auf den Spuren des Rums durch die Altstadt – die meisten Rumhäuser haben am Wochenende verlängerte Öffnungszeiten.

